Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Osterdeko anno dazumal
Montag, 14.04.2025, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF
Thema diesmal: Brauchtum und Vintage Sammlerstücke
“Da bekommt sogar unser Experte für Altes und Gebrauchtes glänzende Augen”, sagt Norbert, als ich einige historische Stücke rund ums Osterfest präsentiere. Dieses Mal widmete ich mich alten Osterdekorationen – von Postkarten und Sammelbildern bis hin zu kunstvollen Ostereiern und Schokoladenformen.
“Den Osterhasen gibt es seit etwa 300 Jahren”, erkläre ich, “er stammt ursprünglich aus dem Elsass, dem Oberrhein und der Pfalz – „also eigentlich ein Deutscher.”, konterte Norbert. Dort begann auch die Tradition, Ostereier zu verzieren. Eier wurden bestrickt, mit Seide bezogen oder kunstvoll bemalt. Oft waren diese Dekorationen Geschenke unter Erwachsenen, beispielsweise für die Liebste, nicht speziell für Kinder.
Ein besonderes Highlight in der Sendung waren die historische Osterpostkarten. Die älteste, eine kolorierte Fotokarte, stammt etwa aus dem Jahr 1900. Die Motive zeigen deutlich, wie sich Mode und Grafik über die Jahrzehnte verändert haben, anhand von Typografie und Stil kann man die Zeit festmachen. Ich hatte hauptsächlich Beispiele aus den 1920ern bis 1950ern mit. Und natürlich könnte man wenn man sich die beschrieben Seite ansieht ein bisschen schummeln: Wenn die Karte geschickt wurde, gilt sie ja automatisch als gelaufen, das heißt, sie wurde verschickt und trägt dann einen Poststempel samt Briefmarke – und daran erkennt man das genaue Jahr.
Eine Karte aus 1943 fiel besonders auf. Ein Soldat schrieb damals aus Paris an seine ‘vier Herzen’ zuhause – ein bewegendes Zeitdokument, das mich sehr berührt hat.
Ein weiteres spannendes Detail sind Sammelbild-Hasen, die ursprünglich Produkten wie Kaffee oder Kakao beigelegt waren. Das war damals schon sehr smartes Marketing. Alle großen und kleine Fußball Fans kennen das Prinzip ja von Panini-Bildern.
Natürlich darf bei Osterdekorationen das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit nicht fehlen. In meiner mitgebrachten Auswahl an Vintage Stücken fanden sich feine Seideneier verziert mit kunstvoller Mischtechnik aus dem frühen 20. Jahrhundert . “Diese hochwertigen Stücke waren damals eher dem Adel oder dem gehobenen Bürgertum vorbehalten”, erkläre ich genauer. “Für einfache Leute gab es Varianten aus Pappmaché – oft regional gefertigt, beispielsweise aus Pappmaché.”
Fabergé-Eier sind äußerst kunstvoll gefertigte Stücke, die oft mehrere tausend Euro wert sein können. Dieses Exemplar hier stammt aus der Zeit um 1900. Beim genaueren Hinsehen erkennt man unten einen messinggefassten Ständer, und darüber befindet sich ein Aufsatz aus Opalinglas, der mit einem erhabenen Blumendekor verziert ist. Selbstverständlich lässt sich das Ei auch öffnen und man kann darin leckere Schokolade verstecken.
Ein besonders rares Stück war eine doppelte Hasen-Gussform für Schokolade oder Biskuit, heute ein begehrtes Sammlerobjekt. Man füllte Teig oder flüssige Schokolade hinein, stellte sie in den Kühlraum, und wenn man die Form anschließend öffnete, erhielt man eine fertige Figur. Das sah man auch sehr gut an dem Osterlamm, das in diesem Fall aus Keramik gefertigt war. Früher wurde so eine Form mit Teig oder Schokolade befüllt, gekühlt und danach entweder mit Lebensmittelfarbe dekoriert oder hübsch in Cellophan verpackt.
„Christof, ich frage mich, was so ein Stück heute wert wäre?“, so Norbert. Dieses spezielle Exemplar, das ich in der Sendung präsentierte, ist äußerst selten und gehört einer leidenschaftlichen Sammlerin, der wohl das Herz brechen würde, wenn es verschwände. Vom Wert her liegen wir hier tatsächlich schnell bei rund 1000 Euro.
Ob diese Formen heute noch verwendet werden? Theoretisch ja – praktisch sind sie aber inzwischen vor allem begehrte Sammlerstücke. Mittlerweile gibt es weltweit eine beachtliche Sammlergemeinschaft, nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika, Russland und sogar Asien. Dort werden sie aufgrund der hohen Nachfrage inzwischen sogar reproduziert. Dadurch entstehen natürlich immer wieder Gelegenheiten, sich das eine oder andere besondere Stück in die eigene Sammlung zu holen.
Mit dem Satz „Christoph, Ostern ist gerettet mit dir, wie immer. Es hat sehr viel Spaß gemacht!“ verabschiedete mich Norbert. Osterbrauchtum, Objekte mit Geschichte und Sammelleidenschaft verbanden sich in diesem Sendungsbeitrag zu einer charmanten Zeitreise – passend zur Osterzeit.
P.S.: Der vorangegangene Sendungsbeitrag zeigte Wolfgang Kremsner, Radiorestaurator in action. Wolfgang Kremsner verkauft restaurierte Radios, Plattenspieler, Küchenuhren und Kassettenrekorder. Seit 2023 auch in seinem Laden in der Otto-Bauer-Gasse Aus Liebe zu alten Uhren, Radios und Kassettenrekordern, die er nun repariert und akribisch wieder zusammenbaut, macht er Objekte mit Geschichte zu Objekten mit Kultstatus. Mehr dazu findet ihr auch in seinem Beitrag in meinem Buch Möbel | Objekte | Geschichte (erschienen im Löcker Verlag).



