Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Die Faszination der alten Hinweistafeln

 

Dienstag, 20.05.2025, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Ein Blick auf den Vintage-Schilder Trend

“Nicht vergessen – achtet auf saubere Hände und Fingernägel beim Honigbrot! Und nicht nur da. Christoph Stein hat wieder einmal ein paar ganz besondere Schilder mitgebracht. Und die haben es in sich.”, so lautete Norberts Intro in meinen Sendungsbeitrag (im vorhergehenden Beitrag ging es um Imker…).

Der Kommentar bezog sich natürlich auf das von mir mitgebrachte Schild “Achtet auf saubere Hände und Fingernägel!”„Das könnte aus einer Schule stammen“, meint ich. Oder vielleicht aus einer Bäckerei. Auch eine Fleischerei wäre denkbar. Hauptsache: Hygiene. Und genau das war auch die Botschaft solcher Schilder.

Was früher funktionale Hinweise waren, hängen sich heute viele als humorvolle oder nostalgische Deko an die Wand. Ob stilles Örtchen, Küche oder Wohnzimmer – alte Hinweistafeln liegen voll im Trend.

Früher war das ein eigener Beruf: Schildermaler. Mit fundierter Ausbildung, viel Know-how und Liebe zum Material. Blech, Emaille, Glas – alles wurde von Hand beschriftet. Und die Botschaften waren klar und deutlich. 

Es ist ja nicht so wie heute, wo halt dann alles über WhatsApp oder über SMS geht, sondern es war die Ankündigung oder der Hinweis, ob das jetzt das Fußballspielen.

Wer kennt sie nicht? Die grüne Tafel im Gemeindebau: „Ballspielen verboten“ – mit braunem Ball auf grünem Grund. Oder die legendären Ansagen auf den Schildern wie:

  • „Nicht einschalten. Es wird gearbeitet.“
  • Abort rein halten!Nicht auf das Sitzbrett steigen!Spülung betätigen! Hände waschen! (wenn man es zuhause aufhängt, müssen die Kinder halt schon lesen können…)
  • “Erstbesitz”
  • „Nicht auf den Boden spucken“
  • „Nüchtern“

Letzteres eignet sich übrigens wunderbar als Schild am Kühlschrank. Oder direkt im Auto. Oder überm Bett – für Fortgeschrittene.

“Was hat es mit dem Schild mit der Badezeit auf sich? 45 Minuten Badezeit?”, fragte Norbert. Das ist vermutlich nicht das Schönbrunnerbad, oder warum geht das? Ist das das Tröpfchenbad, das legendäre? Das ist das Tröpfchenbad von Piron und Knapp. Wirklich schön instrumentiert, was sich da so alles abspielt. Da gibt es ja das Röntgenbild. Amanda, wie ein Röntgenbild sozusagen eigentlich dann über dem Kanal wegrutscht. Wie viel muss man da hinlegen, wenn man sowas am Flohmarkt oder im Flohmarkt-Ibidetenladen verteilgt?

“Aber aus welcher Zeit ungefähr stammen die Schilder?”, wollte dann Norbert irgendwann doch wissen. Das  Älteste, was ich mit hatte, das ist noch so circa um 1900, mit Echtvergoldung im Hintergrund und da ging es jetzt eben darum: entweder eine richtige, gute Bestellung, eine ordentliche zu machen, was das Schnitzerl betraf,mit seinen Beilagen oder, dass man bei der Bestellung auch eine adäquate Anzahlung leistet… es kommt auf die Interpretation und Sichtweise an. Sicher 300 Euro wert.

Alte Schilder erkennt man an der Schrift und an der Ausführung. Altdeutsche Schrift, Schablonentechnik, echte Emaille – das kann man fühlen. Und nachmachen? Teuer. So teuer, dass es heute kaum noch jemand tut.

Das Schild „Nicht auf den Boden spucken“ – ein klarer Fall aus der Tuberkulosezeit. Vielleicht gibt’s ja irgendwann auch ein Corona-Schild – „Maske auf, lüften, Abstand halten“. Wer weiß.

Die Glücksstelle Stein – ein Unikat mit Geschichte

Ein ganz besonderes Stück in meiner Sammlung: „Glücksstelle Stein“. Ein Geschenk von einem Freund, gefunden am Flohmarkt. Ursprung unklar – vielleicht Stein an der Donau?

Später stellte sich heraus: Das Schild stammt von einer Lotteriezweigstelle in Wien, gegründet von Oswald Haerdtl, dem Architekten des Wien Museums. Die Zweigstelle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört – das Schild aber hat überlebt.

Heute hängt es bei mir – und ist unverkäuflich.

Alte Hinweistafeln sind mehr als Deko- es sind Schilder mit Seele. Sie sind Erzählungen aus einer anderen Zeit. Mit Charme, mit Ernst, mit Witz – und mit sehr viel Geschichte. Diese Schilder sprechen. Man muss nur genau hinsehen oder hinhören…

Zum Schluss noch ein Schmankerl

Was aktuell wirklich boomt und für ordentlich Schmunzeln sorgt, sind Schilder wie „Ortsende von Wien“. Wir waren kürzlich bei Ulrich Prinz, dem Dorotheum-Experten bei Stein schaut rein – auch er hat so ein Stück in seiner Sammlung.

Stellt euch vor, ihr habt so ein Schild gleich bei der Wohnungstür hängen. Ein kleiner ironischer Abgang – als würde man beim Verlassen der vier Wände offiziell die Stadtgrenze überschreiten. Großartig, oder?

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