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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Street Art

Montag, 15.03.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Street Art in Bezug auf Konflikte und Krieg

In meinem Sendungsbeitrag im Studio2 auf ORF am 15.3 habe ich über Street Art gesprochen. BREAKING NEWS Thema war das Anprangern des Krieges in der Ukraine durch Street Art Künstler:innen, so wie in der Ukraine selbst als auch in Russland, aber darüber hinaus natürlich auch auf internationaler Ebene – abseits der beiden Konfliktparteien. 

Ich hatte Werke von Christian Eisenberger (Ö) und Dan Witz (USA) aus meiner eigenen Kunstsammlung mit, sowie Arbeiten von Shepard Fairey (USA), Teddy Eigelb/Exithamster (internationaler Erdenbürger, ursprünglich Ö), Vasilena Gankovska (Bulgarien, lebt und arbeitet in Wien), Faith47(Südafrika), FAILE(USA), Robbie Conal(USA), Emily Evans (UK), El Pez(Spanien), Zosen (Argentinien/lebt und arbeitet in Spanien) aus THE BATZ COLLECTION von Katrin-Sophie Batz, darüber hinaus ein Kunstwerk des österreichisch-französischen Künstlers und Wiener Szenegröße Olivier Hölzl (Leihgabe des Künstlers) und eine Grafik von BOICUT/Herausgeber Atelier Olschinsky (Leihgabe von Jakob Stiedl/Frontmann von Prohaska – die Band mit). 

Das eingeblendete Mural auf dem über 150 Jahre alten Ankerbrot Getreidesilo im 10.Bezirk von Shepard Fairey wurde von dem Fotografen Sandro E.E. Zanzinger abgelichtet .

Sandro E.E.Zanzinger (c) des Ursprungsbild, www.sandrozanzinger.com

Danke schon gleich am Anfang meines Blogposts allen wunderbaren Künstler:innen & Leihgebern! 

Doch warum geht es eigentlich bei Street Art?

Der eigentliche Wert der Street Art bzw. Murals ist die Aufwertung eines Viertels, die Verschönerung einer Stadt oder das Aufzeigen von sozialen Ungleichheiten oder gesellschaftlichen Missständen – es ist ein Geschenk an die Stadt, das Viertel, die Bewohner:innen und Besucher:innen dieser Stadt. Die Kunstwerke sollen zu einer sozialen, intellektuellen, politischen Auseinandersetzung mit bestimmten Themen führen – und dies mithilfe von ästhetischer Bildsprache. Teil dieser Bewegung gewesen zu sein, spiegelt sich auch in THE BATZ COLLECTION und teilweise auch in meiner eigenen Sammlung  wieder.

Katrin-Sophie Batz/THE BATZ COLLECTION hat das Street Art Festival Cash, Cans & Candy in 2013, 2014 und 2016 kuratiert. Ich habe bei dem Festival die Dan Witz Arbeit erstanden. Das Christian Eisenberger Werk habe ich selbst “erjagt” – damals hat Eisenberger 999 Kartonwerke in ganz Wien verteilt und ich habe eines davon ergattert. Dieses Kunstwerk oder “found art” Stück ist heute einen fünfstelligen Eurobetrag wert. 

Unterschied Graffiti und Street Art

In der Sendung haben wir nur Street Art Kunstwerke gezeigt. Graffiti Writers arbeiten weniger kommerziell und sind mehr auf den Fame in ihrer Subkultur fokussiert, in der breiten Öffentlichkeit genießen sie ihre Anonymität, um sich mit keinen legalen Konsequenzen auseinandersetzen zu müssen. 

Wien als Street Art Hotspot 

Wien ist mittlerweile auch ein beliebter Spot für nationale und internationale Street Art Künstler. Das BLK River Festival hat den Weg geebnet für Pioniere wie die Inoperable Gallery bis zum Cash, Cans & Candy Festival bis hin zum aktuellen Platzhirschen Calle Libre Festival.

Am Donaukanal kann man sich ohne Probleme auf der Wiener Wand verewigen aber auch auf dem Rest des Kanals wird Street Art und Graffiti nicht mehr als Vandalismus gesehen, sondern ist Teil der Verschönerung der Stadt. 

Ein paar Zeilen zu den Künstler:innen

Der über 60 Jahre alte Dan Witz aus NYC (Street Art ist nicht nur eine Jugendbewegung, mittlerweile sind die Pioniere nicht mehr am Leben oder eben zwischen 60 bis 80 Jahre alt) thematisiert (in Kollaboration mit Amnesty International) in dem von mir mitgebrachten Bild das Schicksal von acht Menschenrechtsaktivist:innen, die hinter Gittern sitzen oder verfolgt werden.

Christian Eisenbergers Aktion habe ich kurz vorher angesprochen. Seine Arbeitsweise ist geprägt von Zügellosigkeit, Arbeitslust, Tempo und Zufall. Durch stetige Repetition entstehen ständig neue Serien. Bei aller Abstraktion bleibt der Mensch ein immer wiederkehrendes Motiv. Auch er thematisiert in seinem Werk ein Konfliktthema und zeigt Terroristen wie Osama Bin Laden oder auch Che Guevara, der natürlich von vielen auch bis heute als Held gefeiert wird. Shepard Fairey aus LA/USA ist neben BANKSY (UK) und RETNA (LA/USA) einer der bekanntesten Vertreter der internationalen Street Art. Weltweit berühmt gemacht hat ihn 2008 ein Poster von Barack Obama, das den damaligen Präsidentschaftskandidaten im typischen Schablonen-Stil (Stencil Style) zeigt, nachdenklich, aber unbeugsam, in den US-Nationalfarben. Unter dem Porträt stand das Wort “Hope” (oder auch “Change”). Ich hatte eine unterschriebene Einladungskarte, Katrin-Sophie Batz gewidmet, mit, so wie ein Foto seines Murals von Exithamster (viele Street Art Fotografen sind selbst angesehene Künstler wie die US-amerikanische Szenegröße Martha Cooper), so wie zwei Grafiken, wobei eine davon den Getreidesilo im 10. Bezirk und das Mural Commanda zeigt (seine Frau heißt Amanda, go figure!), die andere hat seine typische Mandala Bildsprache und Andre The Giant als Symbol.

Er kreierte anlässlich des Ukraine Krieges ein NFT, wobei der gesamte Gewinn an NGOs gehen soll, die in der Ukraine helfen.

Die Arbeit des österreichisch- französischen Künstler Olivier Hölzl ist auch passend zur aktuellen Thematik. Mit Stencils auf Papier mit Spraypaint aufgetragen zeigt es einen Soldatenfriedhof. Normalerweise sind figurale Elemente Thema des Künstlers, hier sind auch Menschen abgebildet, nur unter der Erde. Dieses Gefühl von Uniformität und Tristesse trifft den heutigen Zeitgeist. 

Und- es gibt ja nicht nur Street Art Künstler, sondern auch Street Art Künstlerinnen, ganz wichtig, diese auch vor den Vorhang zu holen. Faith47 und Vasilena Gankovska haben mit ihren fragilen Arbeiten (Faith47 mit einer berührenden Zeichnung und Vasilena Gankovska mit einer spannenden Keramikarbeit) poetische Töne getroffen. Bei Faith47 gibt es eine Sehnsucht nach einer tieferen Verbindung zur Natur, den Tieren und einer Auferstehung des göttlichen Weiblichen. Es gibt auch die aktive Untersuchung und Hinterfragung des menschlichen Zustands, seiner abweichenden Geschichte und unserer eigenen inhärenten existentiellen Suche. All dies trägt dazu bei, dass ihre Erzählungen Ebbe und Flut zwischen Schmerz und Kontemplation durchdringen und uns anflehen, unseren Platz in der Welt zu hinterfragen. Wäre die Welt eine bessere, wenn wir uns mehr auf unsere Beziehung zur Natur konzentrieren würden? Vasilena Gankovska thematisiert in dieser Arbeit – gebrochene dann gekittete Keramik (deshalb “fragile”) hinter Plexiglas die Fragilität der Kunst, des Kunstmarktes, des Künstler Daseins und der Gesellschaft an sich. Die Arbeit stammt aus einer ganzen Serie in der es sogar eine Tattoo Edition gibt. Mehrere Besucher des Cash, Cans & Candy Festivals haben sich dieses permanent auf z.B. Nacken, Knöchel, Handgelenk, Rücken tätowieren lassen. Es geht natürlich auch um die Absurdität von manchen Kunstwerken siehe Duchamp oder wie der Künstler Maurizio Cattelan eine Banane an die Wand auf der Art Basel Miami getaped hat und es KUNST für 120.000 USD genannt hat.

Street Art: Von der Subkultur zum Mainstream

Was einst in Philly oder New York City vor allem in der Bronx und Brooklyn in der Subkultur außerhalb oder am Rande der Legalität als provokante Meinungsäußerung im öffentlichen Raum begann, zeigt sich heute in renommierten Galerien, Auktionshäusern, Messen und Museen auf der Welt. Das Spotlight, das Street Art Künstler scheuten ist mittlerweile zum MUST DO geworden. Darüber hinaus erzielt Street Art unglaubliche Preise auf den verschiedenen Verkaufsplattformen . Die meisten Künstler:innen in diesem Bereich suchen jedoch trotzdem den Bezug zur Straße. Während Cash, Cans & Candy 2013 wurde der Silo der Ankerbrotfabrik von Shepard Fairey, Faith47 und dem New Yorker Künstlerduo FAILE großflächig bemalt. Am Tel Aviv Beach des Donaukanals schuf Alexis Díaz ein wunderbares Mural (eines Donaufisches, der Künstler aus Puerto Rico recherchiert immer die lokale Flora, Fauna und Tierwelt und thematisiert diese dann in seinen Wandmalereien). Sogar die Fassade des ehrwürdigen Theresianums bemalte er (diesmal kam ein Rabe zum Zug), neben vielen anderen nationalen wie nationalen Größen und vielen weiteren Murals, viele die heute auch noch erhalten sind.

Kurze Bemerkung zu den Wertigkeiten – es ist wirklich für jede/n etwas dabei – von Grafiken, die bei manchmal sogar erst 50 Euro beginnen bis hin zu wahnsinnig hohen Summen, wie beispielsweise Banksys letztes Auktionsergebnis von über 25 Millionen US Dollar.

Der berühmteste und teuerste Street Artist aller Zeiten, Banksy, thematisiert Konflikte, Kriege, Umweltthemen, soziale Imbalance in seinen Arbeiten im Außen- und Innenbereich – immer am Puls der Zeit, immer mit dem Finger in der sprichwörtlichen Wunde. Banksy Ein Beispiel: Banksy ein bereits existierendes Bild aufgenommen – in diesem Fall ein ikonisches Foto aus Vietnam im Jahr 1972, von einem Mädchen – Kim Phuc –, das vor einem Napalm-Angriff auf ihr Dorf flieht. Das Originalfoto mit rennenden und weinenden Kindern wurde von Nick Ut aufgenommen und hat sich zu einer Kurzform für die Gräueltaten des Krieges entwickelt. Banksy hat das Bild des Mädchens isoliert und mit Micky Maus und Ronald McDonald flankiert – zwei familienfreundliche Gesichter des amerikanischen Kapitalismus. Der Künstler, der dafür bekannt ist, militärische Konflikte zu thematisieren, sagte: „Die größten Verbrechen der Welt werden nicht von Menschen begangen, die gegen die Regeln verstoßen, sondern von Menschen, die sich an die Regeln halten. Es sind Menschen, die Befehle befolgen, die Bomben abwerfen und Dörfer massakrieren.“

Street Art hat sowohl eine vergängliche Qualität als auch eine dauerhafte Kraft vor allem als Zeichen für Hoffnung in Zeichen von Konflikten und Kriegen. Viele Street Artists beschäftigen sich mit ernsthaften sozialen Problemen – von sozialen Ungleichheiten bis hin zu militärischen Konflikten und beziehen Stellung.

Nun zur aktuellen Situation in der Ukraine

Während der Krieg in der Ukraine andauert, nutzen immer mehr Künstler ihre Kreativität, um zum Frieden aufzurufen. Dazu gehören Straßenkünstler, die ihre Standpunkte öffentlich machen, indem sie ihre Antikriegsbotschaften für alle sichtbar an Wänden anbringen. Viele dieser Künstler haben direkte Erfahrungen mit dem Malen in der Ukraine. Kiew ist besonders reich an Wandgemälden, von denen seit 2014 über 160 gemalt wurden. Viele der Straßenkünstler, die dort Zeit mit Malen verbracht und sich mit der lokalen Gemeinschaft beschäftigt haben, machen bekannt, dass sie gegen den Angriffskrieg sind und versehen ihre Murals und Social Media Posts mit dem Hashtag “#standwithukraine”.

Ein Mural, das mir bei der Recherche zum Street Art Thema besonders ins Auge gestochen ist und mich zutiefst berührt hat: Der französische Künstler Seth Globepainter schuf ein Mural, das von den Kindern inspiriert sei, die er beim Malen im Donbass getroffen habe. In seinem Stück schwenkt ein junges Mädchen mit Blumenkrone stolz die ukrainische Flagge, während es auf russische Panzer tritt. Er hat das Stück auch einem ukrainischen Freund gewidmet, der sich noch in Kiew aufhält.

Seth Globepainter Instagram/ Bildquelle & (c)

Aber ich will den Mut der russischen Bevölkerung an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Auch wenn dies eher jetzt in die Kategorie revoltierende Street Performance fällt und nicht direkt der Street Art zuzuordnen ist – eine junge Frau hat in Moskau ein Schild hochgehalten auf dem Stand “Zwei Worte” (statt “Kein Krieg”, da dies ja der Zensur zum Opfer gefallen ist) – aber selbst sie wurde kurzerhand von der russischen Riot Police mitgenommen. Sich gegen ein totalitäres Regime in diesen Zeiten zur Wehr setzen, obwohl die Konsequenzen mehr als trist sind, wie wir ja schon von den Pussy Riots wissen, diesen Menschen gebührt mein tiefster Respekt, so wie der gesamten ukrainischen Bevölkerung. Ein weiterer Aktionismus Stunt fand am Tag der Sendung im russischen Nationalfernsehen statt. Marina Ovsyannikova, eine Mitarbeiterin des Perwy Kanals (der wichtigste russische Sender und ein integraler Teil für die Kreml Propaganda Maschine), die ihre Protestaktion zuvor in sozialen Netzwerken angekündigt hat, wie der Kurier berichtet. “Das, was in der Ukraine passiert, ist ein Verbrechen, sagt sie in einem Video. “Und die Verantwortung für diese Aktion liegt allein bei Wladimir Putin.” Weiter sagt sie: “Mein Vater ist Ukrainer, meine Mutter ist Russin, und sie waren niemals Feinde. beschäftigt. (Hier der Link zum Kurier Artikel. Hier auch ein guter Der Standard Artikel).

Wie eine derzeit oft verwendete journalistische Weisheit besagt “Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst”, möchte ich dagegen halten „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Puppentheater 

Montag, 28.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Kasperl & Co.

Als ich mich mit dem aktuellen Sendungsthema “Puppenfiguren und Kasperl”  beschäftigt hatte, stand der Faschingsmontag und Faschingsdienstag im Fokus.

Aufgrund der aktuellen Lage ist wohl jede Form von Fröhlichkeit unangebracht (außer für Kinder natürlich!) und daher wendete ich mich dann in der Sendung einem Teilsegment zu, welches sehr selten beleuchtet wird.

In vielen Kriegen hatte das Puppenspiel eine ganz wichtige Funktion: Propaganda und Motivation der Soldaten/des Volkes. Das Puppenspiel war seit seinen Anfängen in der Antike eigentlich immer für ein erwachsenes Publikum gedacht. Dies änderte sich mit der Zeit, wie wir wissen, aber dazu erst später.

Bevor wir uns jedoch der brandaktuellen Thematik Krieg und dessen Verbindung mit dem Puppentheater widmen, möchte ich vorab noch einen kurzen historischen Abriss darstellen:

Eine Ersterwähnung des Handpuppenspiels gab es in Frankreich im Jahr 1211. 1340 gab es die erste Notiz über eine Bezahlung eines Handpuppenspielers. Durch fahrende Spielleute fand diese Art von Theater seine Verbreitung. In der Renaissance stand mechanisches Theater im Fokus so wie die Animation von Figuren in Kästen beziehungsweise Vitrinen, ab 1510 wurden hauptsächlich religiöse Stoffe gespielt wie die Passion Christi oder die biblische Weihnachtsgeschichte. Ab 1666 gibt Pietro Agismondi (heutiges Italien) Vorstellungen in Deutschland. 1708 gibt es in Wien den Marionettenprinzipal Joseph Anton Stranitzky, der dem Publikum den Charakter “Hans Wurst” vorstellte, aus dem sich später dann der Kasperl entwickelte. Später kam dann der Versuch das Theater ortsansässig zu machen und keine Wandertheater mehr zu unterstützen. Zu dieser Zeit gilt das Puppenspiel als das „Theater der unteren Volksklassen“. In der Romantik schreiben namhafte Autoren Stücke für das Puppentheater, wodurch es eine gesellschaftliche Aufwertung erfährt. Das Schattenspiel findet ab 1780 seinen Weg über Italien nach Deutschland und Puppenspiele avancieren zum Entertainment der Oberschicht, mit der Ausnahme des Automatentheater.

Dann folgt jedoch im 19. Jahrhundert eine Zensur der professionellen Marionettenbühnen: Improvisation wird unter Strafe gestellt, das Repertoire wird reduziert, es soll keine anstößigen Stellen mehr geben, das Marionettenspiel verliert politisch-oppositionellen kritischen Charakter. Aber gottseidank gibt es zumindest eine Existenzsicherung durch lebenslang erteilte Lizenzen.

Nun noch zur Hauptfigur Kasper: Entwickelt vom neapoletanischen Pulcinella, deshalb auch die übergroße Nase. Der Kasperl trägt üblicherweise eine rote Zipfelmütze, ein Harlekin Kleid und hatte immer ein Züchtigungsinstrument – eine Klatsche – bei sich. In vielen Ländern gab oder gibt es vergleichbare Figuren:Mr. Punch (England), Guignol (Frankreich), Jan Klaassen (Niederlande),Mester Jakel (Dänemark), Fasulis (Griechenland) und Petruschka (Russland – mit Pfeife) u.v.a.

Zurück zu meinem Studio2 Sendungsbeitrag: Ich hatte auch verschiedene Puppen aus dem asiatischen Raum mit. Martin merkte an, dass diese schon auf den ersten Blick teuer aussehen. Um 1920, Holz geschnitzt, Charakterköpfe, bei einer Wertigkeit um 2000 Euro, ich hatte auch Puppen aus Burma und dem Balinesisch-Indonesischem Bereich mit, so wie Puppen aus dem Schattenspielsegment. 

Kurze Bemerkung am Rande: Marionette heißt übrigens der kleine Mensch. Einfach großartig, oder?

Die beiden Puppen Spejbl und Hurvínek (aus Tschechien) die philosophisch das Leben erklären, habe ich mir, wie auch die anderen Puppen, vom HE-LO Theater und Puppenmuseum ausgeborgt, die über Generationen das Publikum in Korneuburg begeistert haben und nun nach jemandem suchen, der das Museum betreiben möchte. Kern der meisten Spejbl und Hurvínek Stücke sind die Dialoge zwischen dem Vater Spejbl, der oft von sich und seinem Wissen sehr überzeugt ist, und Sohn Hurvínek, der das Können des Vaters infrage stellt.. Die Stücke sind eine Mischung aus groteskem Humor und Alltagssatire. Spejbl und Hurvínek wurden vom Prager Marionettentheater Spejbl und Hurvínek weltweit in 31 Ländern und insgesamt 21 Sprachen aufgeführt.

Nun zurück zum ursprünglichen Link zwischen Krieg und dem Puppentheater, aus dem leider sehr traurigen Anlass:

Öffentlich wichtig für Kriegspropaganda: bereits um 1900 traten im deutsch-österreichischen Raum immer mehr franzosenfeindliche Kasperltheaterstücke auf, welche ihren geschichtspolitischen Ursprung in den politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, vor allem um das Elsass-Gebiet im 19. Jahrhundert hatten. 

Sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg waren an der Front Puppenbühnen und Puppenspieler Teil des Geschehens. Die Nationalsozialisten haben die jüdischen Puppentheater geschlossen und somit eine weitere Zensur geschaffen. Das nationales Puppentheater hingegen wird sehr gefördert, um die NS-Propaganda auch im Puppenspiel zu verbreiten, zum Einsatz kam dies auch an der Front.

Kinder werden erst Mitte des 19. Jahrhunderts auch als Publikum entdeckt, bis dahin waren immer nur Erwachsene das Zielpublikum. Das Puppenspiel war Teil der pädagogischen Vermittlung und Inhalte. Kasper lebt in einer Welt in der gute Taten belohnt werden und schlechte leicht bestraft werden. Das künstlerisches Handpuppenspiel bekommt neue Plattformen: Radio, Schulen, Kindergärten, Verbände, sozialpädagogische Einrichtungen, Film. Kasperl & Pezi  wird im ORF seit 1957 regelmäßig ausgestrahlt und ist somit die älteste Fernseh-Kasperl-Puppenbühne.

Die Puppen, die unter die Kategorie “gut” fallen sind Petzi, Großmutter und Gretel und “böse” sind wohl die Hexe, der Räuber und das Krokodil. Diese beiden Kategorien werden einander immer gegenübergestellt – Kasperl hat in Wirklichkeit von beiden Kategorien etwas, wie eben ein ganz normaler Durchschnittsmensch. 

Abschließend ist zu sagen: Sammler:innen von Bühnenpuppen gibt es auf der ganzen Welt. In Österreich zählt André Heller zu den größten Fans des Puppenspiels und ist Besitzer der Urania Puppenbühne.

Ich hatte natürlich auch eine Krokodilhandpuppe (das Krokodil als Ersatzdrache) mit. Wer im aktuellen Konflikt für das Krokodil steht, liegt wohl auf der „Hand“ und kann sich jede/r selbst beantworten…

Vielen Dank an die Leihgeber Hermann Gottfried und Lorli Kaufmann vom HE-LO Puppentheater Museum in Korneuburg!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Fotoapparate 

Montag, 21.02.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Hasselblad & Co.

Die Tage werden länger, das Licht wieder klarer, die beste Zeit um dies mit dem Fotoapparat festzuhalten.

Analog ist wieder im Kommen, da gigantomanische Dateien in der Digitalfotografie nicht die Lösung sind den Moment für die entferntere Zukunft festzuhalten.

Dieses Thema hab ich heute mit Norbert Oberhauser “belichet”, ähm beleuchtet 😉

Eine kleine kurze aber feine Geschichte der Fotografie als Intro. Wenn man es genau nimmt beginnt die Geschichte der Fotografie mit der Laterna magica (lateinisch für „Zauberlaterne“) – einem Projektionsgerät, das vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein in ganz Europa verbreitet war und sich im 19. Jahrhundert durch die industrielle Revolution in ein Massenmedium entwickelte. Die Laterna magica ist eine Projektionsvorrichtung, die nach dem umgekehrten optischen Prinzip der Camera obscura funktioniert: Es handelt sich um einen Kasten mit einer Öffnung, in dem sich eine Lichtquelle befindet – im 17. Jahrhundert zunächst eine schlichte Kerze, später eine elektrische Bogenlampe. Goethes tragbare Camera obscura, um 1800 wurde die Camera Obscura Dunkelkammer vermutlich von Battista della Porta erfunden – war Menschen aber theoretisch seit Jahrhunderten schon bekannt. Die Chinesen schrieben bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. über dieses Prinzip (auch wenn dann die Fotografie erst in den 1850er Jahren durch europäische Fotografen Verbreitung in China fand)  und wurde sogar von Leonardo da Vinci beschrieben und das im 15. Jahrhundert. In der Mitte des 17. Jahrhunderts war Camera Obscura ein Raum in einem Haus, dann um 1650 kleinere Ausführungen, die sich als Schachtel tragen ließen. Von der Nassplattenfotografie über Trockene Platten zur Gründung der Firma Kodak 1880 wo Eastman flexiblen Rollfilm entwickelte, der keinen Wechsel der massiven Platten erforderte. Der Anwender machte Fotos und schickte die Kamera anschließend beim Hersteller ein, wo der Film entwickelt wurde. Dies war die erste Kamera, die für den Durchschnittsbürger erschwinglich war.

1930 begannen Henri-Cartier Bresson und andere Fotografen, mit kleinen 35mm-Kameras Bilder aus dem “echten Leben” zu “schießen” dadurch gab es im Zweite Weltkrieg eine bebilderte Berichterstattung.

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurden Kompaktkameras entwickelt. Das digitale Zeitalter begann in den 1980er und 1990er Jahren als zahlreiche Hersteller an Kameras arbeiteten, die Bilder elektronisch speicherten. 1991 hat Kodak dann die erste Digitalkamera entwickelt. In den frühen 2000ern hat es die erste Kamera in ein Handy geschafft. Die Qualität war damals noch eher zu bemängeln, da viel zu pixelig. In nur rund 15 Jahren ist diese schwache Bildqualität zu einer beinahe vollwertigen Kamera in einigen Smartphones geworden. Trotzdem zeichnet sich gerade wieder der Trend Rückkehr zum Analogen ab, aber dazu später mehr.

Nun zu den Kameras, den Objekten mit Geschichte und Objekte der Begierde für Sammler:innen und die ich mit in der Sendung hatte:

Die erste Kamera, die Susse Frère Daguerrréotype (Kupferplatte wurde mit Silber beschichtet und Joddampf ausgesetzt, dann mind. 15 min Lichteinwirkung), die ich vorstellte, war die erste österreichische Kamera (!) und aus 1839/40 basierend auf einem Entwurf der französischen Brüdern Susse Frère ( die Kamera entspricht Daguerres Entwurf von 1839, nur in halber Größe ). Das war zur Metternich Zeit als der Kanzler eine Delegation nach Frankreich geschickt hatte. Das Objekt ist eine Schiebekastenkamera (Camera Obscura) mit einem Objektiv von Prokesch. Sie ist die einzig bekannte Kamera, die erst kürzlich entdeckt wurde und auch ein Beweis dafür, wie früh in Österreich Kameras gebaut wurden. Gerade deshalb hat diese Kamera eine Wertigkeit von unglaublichen 100.000 Euro.

Norbert hat aber den Sendungsbeitrag eigentlich gleich begonnen, indem er ein Foto von mir schießen wollte – mit der legendären Kamera Leica M3 mit 90 mm Objektiv für Porträts (Objekt Numero 2 im Sendungsverlauf) des österreichischen Fotografen Franz Hubmann (der sogenannte österreichische Cartier-Bresson). 1954 gründete er mit Karl Pawek gemeinsam magnum – die Zeitschrift für das moderne Leben. Hubmanns Fotoserien, wie zum Beispiel über das Café Hawelka, waren sein Durchbruch als Fotograf. 

Das dritte Objekt mit Geschichte war dann ein Leica Fake aus Russland, mit einer Wertigkeit unter Sammler:innen von “nur” 300 Euro.

Die wunderbare Goldmann Kamera war eine österreichische Portraitkamera im Fotostudio, wie man sich das so klassisch vorstellt die mehrköpfige Familie die minutenlang still halten muss für ein gutes Ergebnis. Um 1910 für Negative 24x24cm, die dann im Kontaktverfahren belichtet wurden, mit einem besonderen Meyer Atelier-Schnellarbeiter 400mm Objektiv, der Objektivdeckel war gleichzeitig der Verschluss. Diese Kamera hat eine Wertigkeit von 6000 Euro.

Das Bond-like Objekt mit Geschichte, die Tessina Geheimkamera um 1960, die Norbert fast kurz als Armbanduhr bezeichnete war eine Spionagekamera, die auch von der ostdeutschen Stasi verwendet wurde. Wie unzählige andere Kameras, die für Geheimdienste entwickelt wurden. In der Schweiz gebaut wurde die Kamera weltweit verkauft. 1971 kam dieses Modell dann auch zum Einsatz in der Watergate Affäre und erlangte somit weltweite Berühmtheit. Die Wertigkeit liegt bei 800 Euro.

Die erste Spiegelreflexkamera von Hasselblad 1600F c.1952 (da musste mir der Kameramann aus dem Off helfen, weil ich kurz durch einen momentanen Aussetzer Unterstützung brauchte, der natürlich gleich wusste was mir auf der Zunge lag, da er stolzer Besitzer dieses Modells ist) 6 x 6 für wunderschöne Portraits und Landschaftsaufnahmen. Aus diesen Kameras wurden später die berühmten NASA Kameras entwickelt, die für die ersten spektakulären Aufnahmen der Apollo Mondmissionen verwendet wurden. Die frühen Kameras sind auch begehrte Sammlerobjekte.

Die historische “Drohne”, die Taube mit Kamera basierend auf der zeitgeschichtlichen Begebenheit, nämlich jener, dass um 1915 (während dem ersten Weltkrieg) Tauben mit Julius Neubronners Spezialkamera (er war Münchner Apotheker) bestückt wurden, um Panoramaaufnahmen der feindlichen Linien zu machen. Er entwickelte eben diesen kleinen Fotoapparat mit einem automatischen Selbstauslöser, der Tauben umgehängt werden konnte. Die Brieftauben der Apotheke Neubronners kannten die leichten Mäppchen für die Rezepte bereits und mussten nur noch an das größere Gewicht von 53 Gramm der Kamera gewöhnt werden. Ein absolutes Highlight im Westlicht, wie auch die erste österreichische Kamera (obwohl einfach alle Schaustücke des Westlichts spannend sind). Da diese Tauben, wie man sich vorstellen kann, oft abgeschossen wurden, ergibt sich dadurch eine absolute Seltenheit und auch ein Wert von 40.000 Euro.

Abschließend sei gesagt (wie auch vorher erwähnt): Der Trend ist nun aber, dass die Jugend wieder analog fotografiert. Die Antizipation, das Warten auf das Entwickeln der Fotos ist wieder spannend geworden. Meine Sohn ist 20 und er und seine Freunde machen das derzeit mit voller Passion, und das ist einfach eine schöne Geschichte.

Bitte auch nachstehend das wunderbare Foto von unserer Kurzzeit-Kanzlerin Bierlein beachten, geschossen von keinem Geringeren als Peter Coeln (Westlicht – Schauplatz für Fotografie), dem Leihgeber für die heutige Sendung.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: La Bella Donna

Montag, 12.07.2021, ab 17:30, Studio2//ORF

Thema diesmal: Damenportraits aus Keramik

Das Bild der Frau von 1930-1960 in Form von Damenportraits aus Keramik.

Ursprünglich stand die Maske für rituelle Handlungen – Totenmaske, Schutzmaske, Theater und Brauchtum,

aber natürlich auch in der Architektur – Fassadenschmuck, Wasserspeier, Türklopfer.

Die Frau als Portrait kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, vor allem in Frankreich, um das schöne Beiwerk zum Manne zu zelebrieren.

Auch in Österreich begann man im Jugendstil weibliche Gesichter keramisch darzustellen.

Mit dem Film waren dann auch die ersten Heldinnen geboren -dargestellt wurde Marlene Dietrich, Mata Hari, Hedy Lamarr oder exotisch Josephine Baker, später auch Waltraud Haas.

Mitbringen werde ich Keramikmasken der verschiedenen österreichischen Manufakturen – wie Goldscheider, Keramos, Goebel Bieber und viele andere.

Oft waren Damenportraits zur Dekoration degradiert, wie in der Auslage beim Friseur oder um Haushaltsartikel zu verkaufen.

Heute ist dies zumindest in unseren Breitengraden zum Glück undenkbar geworden.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Kitsch

Montag, 28.06.2021, ab 17:30, 

Studio2//ORF

Thema diesmal: Kitsch as Kitsch can!

Es wäre wohl allzu kitschig gewesen wenn Österreich am vergangenen Samstag (26.6.2021) gegen Italien gewonnen hätte…

Der Begriff Kitsch zählt bei den Briten als unübersetzbar und zu den zehn schwierigsten Worten der deutschen Sprache. Die nachstehende Definition erklärt:

Kitsch /Kítsch/

Substantiv, maskulin [der]

  1. Kunstprodukt (besonders Gegenstand aus dem Bereich des Kunstgewerbes, Musikstück, Film o. Ä.), das in Inhalt und Form als geschmacklos und meist als sentimental empfunden wird
    “literarischer, sentimentaler, religiöser Kitsch”

Ende des 19. Jahrhunderts im Münchener Kunsthandel entstanden, um Billigmalerei von echter Kunst zu unterscheiden. Die Impressionisten in Paris, beispielsweise, wurden von den Symbolisten als oberflächlich, zu sehr dem Äußeren verhaftet und verdächtig nah am Kitsch bezeichnet. Jeff Koons hat es mit seinem “Balloon Dog” auf die preisliche Spitze des Kunstmarktes getrieben. Dieser hat bei einer Christie’s Auktion in NYC in 2013 über 58 Millionen US Dollar erzielt. Damals “the most expensive piece of art by a living artist sold at auction”. Mittlerweile hat eine andere Koons Skulptur einen noch viel absurderen Preis bei einer Auktion erlangt. 

Heute gilt es in allen Lebenslagen Kitsch zu verbreiten, sei es in der Musik, in der Architektur, in der Touristik, Mode oder im Kinderzimmer. Die Materialien und billigen Produktionswege tun ihr übriges.

Auch ein goldener Eiffelturm, in Plastik und mit Spielwerk, verzückt.

Ich habe diesmal einiges an Kitschigem mitgebracht, wobei auch religiöser Kitsch nicht fehlen durfte.

Das wertvollste Stück war ein Fauteuil von Alessandro Mendini „Proust“, der bei einem Wert von 5000 – 7000 Euro liegt, der Holzrahmen ist handbemalt. 

Viele (vielleicht reiche aber trotzdem) einsame Menschen sammeln Kitsch, wie z.B. Liberace und seinen Goldklunkern oder Michael Jackson und seine Plüschtiere. Solche Kitschobjekte wecken Emotionen, der  Wert entsteht durch das emotionale Aufgeladenheit, diese kreiert den ideellen Wert.

Der Wackeldackel war lange Zeit auf den hinteren Ablagen am Heck vieler Autos zu finden. “Relax” hat er erbosten Fahrer*innen kommuniziert. Kitsch par excellence.

Thomas Stimm, Künstler Jahrgang 1940, kitschig anmutende Edition steht sogar bei einem Wert von bis zu 4000 Euro.

Selbst Hagenauer (da gab es einen Blogeintrag von mir) hat sich auch an einem kitschigen Objekt versucht. 

Die Welt braucht Kitsch – der Al Pacino Gehstock (auch hierfür gibt es in Kürze einen Blogeintrag) aus “The Godfather/Der Pate” war der krönende Abschluss!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Servierwagen

Montag, 21.06.2021, ab 17:30, 

Studio2//ORF

Thema diesmal: Der Butler auf Rollen

Wer wird nicht auch mal gerne bedient, sei es im Urlaub oder Frühstück ans Bett –

auf dem Servierwagen haben alle diese Wünsche und noch viel mehr Platz.

Ursprünglich vermutlich aus feinem Haus – England. Damit der Diener/die Dienerin nicht so oft einzelnes servieren musste, sondern gleich alles auf einmal und man die Unterhaltung in Ruhe fortsetzen konnte.

Nahezu jeder Architekt und Designer hat sich auch mit einem Servierwagen beschäftigt, bis in die Gegenwart.

Mitgebracht habe ich einen Barwagen aus den Wirtschaftswunderjahren, Alvar Aaltos Ikone darf nicht fehlen und natürlich neben anderen auch der legendäre Dinett – simply: „mylord, es ist angerichtet“!

Aber Schritt für Schritt – der älteste war von 1925, an den Speichenrädern zu erkennen, Messing vernickelt da verchromen galvanisch nicht möglich war und er hat sogar noch die Original Trays. Ein gut erhaltenes aber auch gut restauriertes, gut lenkbares, seltenes Modell – im Wert bei 5000 – 6000 Euro liegend.

Der zweitälteste ist Alvar Aaltos Ikone, wie vorher erwähnt, aus Birkenholz. Der Designer zeichnete sich auch für den Flughafen Helsinki verantwortlich. Wird heute auch immer noch erzeugt. Das legendäre Modell hat unten auch einen Korb und liegt bei der Wertigkeit um 8000 – 9000 Euro. Eindeutig das teuerste Modell, das ich mitgebracht hatte.

Danach folgte ein Servierwagen, der eine einfache Funktionalität hat. Da kann man an einem Knopf ziehen und er verwandelt sich in einen Tisch. In Eiche eingefasstes Bakelit, während des zweiten Weltkriegs so entwickelt, so das man dieses Produkt industriell erzeugen konnte – die alten Telefone waren ja auch aus Bakelit. In der DDR gab es die Stoßstange aus Bakelit. Aus den 1940er Jahren aus Ostdeutschland kommend, noch vor DDR Zeiten. 

Das nächste Modell war aus den 1950er Jahren. Ein richtiges Wirtschaftswunderstück, wie eine kleine Schubkarre, auf denen die edleren Getränke serviert wurden. Gepolstert und von der Materialität aus Eisen und das Gestänge aus Messing, Griffe aus Bambus. 

Das vorletzte Stück hat Norbert so gut gefallen, weil er asymetrisch war, im Pop Art Stil farblich, aus eloxiertem Aluminium, was in der Verarbeitung schwierig ist, weil man einen hohen Hitzegrad für die Herstellung braucht.

Das letzte Modell – das meistverkaufteste Stück, der legendäre Dinett von Fritz Bremshey – aufklappbar, vielfach kopiert. Bremshey war auch Erfinder des Knirpses, diesen hat er sich patentieren lassen und somit andere spielerisch anmutend aber praktisch ausgerichtete Sachen, wie den Dinett erfinden/entwickeln können.

Meine “Servierwadeln” wurde von Norbert als krönender Abschluss hervorgehoben – ach ja und wie ihr wisst hat Österreich gegen die Ukraine mit 1:0 gewonnen, was für ein historischer Tag! Das Achtelfinale kann kommen! Nicht nur Möbel und Objekte sondern auch ein Match mit Geschichte. 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Fußball

Montag, 14.06.2021, ab 17:30, 

Studio2//ORF

Thema diesmal: Die Geschichte des Fußballs, anlässlich der Europameisterschaft 2020, ausgetragen 2021

Ich hatte ein Schieri Vergangenheit, von der wissen wenige, stand am Platz aber hauptsächlich für Kinder, denn diese verdienen die meiste Fairness. Quasi in die Fußstapfen meines Großvaters bin ich getreten, der selbst Schieri war in den 1930er Jahren. Meine Motivation war aber nicht Traditionsbewusstsein, sondern das Streben nach Gerechtigkeit im Mannschaftssport, das ich in meiner Kindheit ein wenig vermisst habe.  Um den Hals hatte ich ein echtes Schieri Pfeiferl, ein Objekt mit Geschichte –  denn die echten kamen immer aus England. 

Kaum zu glauben aber die Erfinder des Hinterherjagens einer Kugel waren die Chinesen schon im 3 Jhdt. v. Chr. Ein Profibetrieb fand dort auch schon 600 n. Chr. statt und war Nationalsport. Es gibt wunderbare in Stein gemeißelte Abbildungen. In der Türkei frönte man auch schon ab dem 11. Jhdt. unserer Zeitrechnung den Kampf mit dem Ball und gegen die anderen.

Der moderne Fußball, wie wir ihn kennen, wurde dann Mitte des 19 Jhdt. in England gegründet mit der ersten Mannschaft – dem FC Sheffield.

In Österreich war es dann 1894 soweit. Vienna First Football Club

Damals sind die Kinder schon nachgelaufen um einen verschossenen Ball oder ein Leiberl zu ergattern. Danach kam dann irgendwann das professionelle Merchandising. 

Immer schon waren Fanartikel, Wimpeln, Pokale, Schals in den Mannschaftsfarben, Teil auch einer Sammelkultur. 

Das größte Museum dazu steht in Barcelona, das Camp Nou Stadion und zählt zu den meistbesuchten Museen Spaniens.

Ich bringe diesmal mit: ein Panini Album von „unserer“ WM 1978 mit allen Helden, wie Schneckerl Prohaska der heute Fußball-Analytiker für den ORF ist; Fotos; ein Autogramm unseres derzeitigen Kapitäns Julian Baumgartlinger. Ach das berühmte 1978er Jahr, nach 20-jähriger Abstinenz war Österreich endlich wieder bei einer WM dabei und Schoko Schachner der damals das erste Tor gegen Spanien geschossen hatte, Krankl mit seinen zwei Toren gegen Deutschland (danach ging er als Legende nach Barcelona). Peter Filzmaier erinnert an das 5:1 (wo Österreich gegen Holland verloren hatte, was für ein Trauma!) das in kollektive Vergessenheit geraten ist. Und ich erinnerte ihn daran, dass damals Ernst Happel der Trainer der Holländer (Spitzname: Der Weltmeister) war und somit könnte man es als österreichischen Teilerfolg werten. 

Zurück kurz zu den Panini Karten – in einem eingeschweißten Sackerl und perfekt gepickt, sind wir sicher bei einem Wert von 2000 Euro. 

1998 gab es dann schon Glitzerkarten, die echte Wertanlagen sind.

Und ein Abschiedsgeschenk, ein Zigarettenspender in Form eines Fußballs von Udo Proksch an die österreichische Nationalmannschaft, der Nationalelf 1978, überreicht als Gag dem kettenrauchenden Helmut Senekowitsch, signiert mit “Udo wünscht alles Gute zur WM 78 – euer Serge Kirchhofer (das war das Pseudonym)”. Der Sinowatz, damals Unterrichtsminister waren im Demel auch dabei. 

Mein Sohn Emil hat einen signierten Fanartikel, Original Leiberl WM 2014, bekommen von Bastian Schweinsteiger, – natürlich auch viel wert – obwohl er eigentlich gerne eines von Buffon gehabt hätte.

Aber wie beginne ich mit dem Sammeln – am Besten mit Autogrammkarten, die sind leistbar. Ein unterschriebenes Maradona Leiberl wäre jedoch sicher im vierstelligen Eurobereich. 

Und gestern im Match Österreich gegen Nord Mazedonien wurde ein Zeichen der Solidarität gezeigt – die österreichische Nationalmannschaft ehrte den dänischen Spieler Christian Eriksen nach seinem Zusammenbruch (Herzstillstand), indem sie unter dem Trikot seinen Namen auf ihren Oberkörpern hatten und zwischendurch immer wieder die Trikots hochgezogen. So soll Sport sein – menschlich!

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Reisesouvenirs

Montag, 31.05.2021, ab 17:30, 

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Thema diesmal: (Il)legale Reisesouvenirs

Nun geht das Reisen wieder los und wir werden wieder unzählige Souvenirs aus diversen Ländern mitbringen.Klassiker wie „I LOVE NY“ oder ein Stück Berliner Mauer finden sich in vielen Haushalten. Es müssen aber nicht immer Eiffelturm, Riesenrad in Schneekugel oder Mozartkugeln sein, sondern Dinge, welche die Erinnerung auch an den Nervenkitzel des Entwenden oder an den Grenzübertritt wachhalten. Natürlich ist es ein kontroverses Thema – vor allem wenn es um Koralle oder Elfenbein geht. Heute ein absolutes NO GO, früher begehrte Sammlerobjekte aus jenen Materialien. Moralisch nicht mehr vertretbar, da wir diese Naturschönheiten und Tiervielfalt für die nachkommenden Generationen erhalten müssen und wollen.

Das Korallenobjekt, aus einem gesamten Korallenarm geschaffen, nicht zusammenstückelt aus verschiedenen Teilen, hat sicher eine Versicherungswert von 2000-3000 Euro, wie auch beim Elfenbeinstück – gehandelt werden sollte allerdings nicht mehr mit diesen Materialien. Das Natur- und Tierwohl gilt es zu schützen.

Souvenir kommt aus dem Französischen und heißt “erinnern”, steht also für ein Erinnerungsobjekt um sich an besondere Reisen, Momente visuell erinnern zu lassen.

Der ägyptische Obelisk von Luxor wurde im 13. Jahrhundert v. Chr. zur Zeit Ramses II. gefertigt und stand bis 1831 im Tempel von Luxor. Seit 1836 steht er auf dem Place de la Concorde in Paris.

Es gab natürlich den edukativen Aspekt als Hauptbeweggrund solche Dinge in die Heimat mitzunehmen, gerade auch Aufgabe von Museen wie dem Volkskundemuseum, um zu zeigen was es auf der Welt alles so gibt. 

Ich hatte diesmal Fliesen aus einem Palast in Medina, aus dem 19. Jahrhundert, ein Mosaikteil einer Moschee aus Rabat, aus dem 14. Jahrhundert, aber auch Hotelschlüsselanhänger aus der ganzen Welt mitgebracht (Z.B. aus dem Ritz in Paris, ein begehrtes Sammlerobjekt).

Schlussendlich hatte ich auch noch eine Wüstensandrose aus Tunesien mit. Die wasserlöslichen Gipsrosen entstehen in heißen und trockenen Wüstengebieten – durch schnell verdunstende Oberflächenfeuchtigkeit wird Grundwasser nach oben gefördert. Die im Wasser gelösten Salze kristallisieren aus und bilden zusammen mit dem Sand die charakteristischen Strukturen der Sandrose. 

Bill Ramsey hat schon in seinem Hit aus den End 50ern besungen, dass bei Souvenirs den Menschen nichts zu „blöd“ ist, hier zu sehen.

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: NORMALZEIT

Montag, 20.05.2021, ab 17:30, 

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Thema diesmal: NORMALZEIT nach den Corona Lockdowns

Heute war ich außertourlich im Studio2 zu Gast.

WISH YOU NORMALZEIT – TIME FOR A SMILE – DEDICATED TO 2020!

Kurzer geschichtlicher Abriss zur Normalzeit: Österreich war Ende des 19. Jahrhunderts für seine Unpünktlichkeit bekannt – erst als es mehr Zugaufkommen gab und es Chaos bei den Fahrplänen gab – war klar, endlich muss auch Österreich der (Mitteleuropäischen) Normalzeit beitreten (was nach einer Volksbefragung unter Kaiser Franz Josef auch passiert ist und am 1. Mai 1910 passiert ist, mehr dazu hier).

Als ich mir die Marken- und Bildrechte für das Wort “NORMALZEIT” (inter)national schützen habe lassen,und somit zum Hüter der Normalzeit wurde, dachte noch keiner an so eine Sehnsucht nach dieser ach so normalen Zeit. Durch die Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns hat dieses Wort maßgeblich an Bedeutung gewonnen.

Die neue Produktlinie “DEDICATED TO 2020” ist ein Denkmal an diese herausfordernde Zeit 2020 (und auch 2021), die Erinnerungsuhren TIME TO DATE und BLACKOUT stehen als Lichtblick, als Optimismus für die Zukunft. Mehr denn je ist uns bewusst, wie wichtig die menschliche Verbindung ist. Intimität, Nähe, Liebe, Freundschaft – all dies war uns teilweise begrenzt, teilweise gar nicht möglich seit März 2020 zu leben. Nun ist es aber soweit und die NORMALZEIT ist wieder ein Treffpunkt, wie in meiner Jugend – in real life unter den Wiener Würfeluhren und symbolisch durch unsere neuen NORMALZEIT Uhren.

Heute endlich wieder TIME TO DATE – seit gestern ist (fast) alles wieder offen in Wien und wir wünschen Wien, Österreich, Europa… und der ganzen Welt NORMALZEIT und natürlich Gesundheit!

STAGED Kunst von Lukas Hüller hatte ich auch mit. Für die Fotoinszenierung STAGED BAND haben sich Szenegrößen wie Der Nino aus Wien, Russkaja, Willi Resetarits, Harri Stojka, Marianne Mendt und Conchita so wie viele weitere österreichische Musiker:innen im Café Anzengruber eingefunden, um ein “Zeichen für Integration und gegen Hass” zu setzen.

Mahlzeit mit Normalzeit! (Zitat Birgit Fenderl) – alles offen, der Sommer steht vor der Türe (auch wenn das schöne Frühlingswetter noch ein wenig zögerlich ist).

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Urlaubskunst

Montag, 17.05.2021, ab 17:30, 

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Thema diesmal: Dreidimensionale Drahtfigur-Urlaubszenen

Ein kurzer Abriss der Geschichte was Ferien und Urlaub betrifft. Der Ausdruck “Ferien” kommt aus dem lateinischen “feriae”, was soviel wie “Festtage” heisst.  

Schon im alten Rom galt die Botschaft “keine öffentlichen oder privaten Geschäfte” während den Festtagen. 

Urlaub war lange Zeit nur dem Bürgertum und dem Adel vorbehalten aber seit den 1920er Jahren sind auch die Arbeiter:innen und Angestellt:innen in den Genuss gekommen rechtlich Urlaubsanspruch zu bekommen.

Wir sind jetzt in so einer Situation wo wir dringlichst ans Meer, anderes Essen genießen, andere Sprachen hören und ein anderes Klima erleben wollen. Die Sehnsucht, die sich in der stillen Coronakrisenzeit aufgestaut hat, habe ich heute mithilfe von Nachkriegsdrahtfiguren dreidimensional symbolisch dargestellt.

Während und kurz dem zweiten Weltkrieg war das Reisen auch nicht möglich, wie man sich vorstellen kann. Schon Anfang der 1950er Jahre haben Künstler und kleine Handwerksbetriebe diese Sehnsucht in dreidimensionalen Drahtbildern darzustellen versucht, die erschwinglich, machbar, die Materialität vorhanden war und die Sehnsucht zumindest optisch befriedigte.Diese stilisierten Ferienziele aus Draht wurden eben aus übrig gebliebenen Kriegsmaterialien, wie Patronenhülsen Stacheldraht, Konserven der amerikanischen Alliierten (daraus wurden dann Palmenblätter, siehe Foto – ein richtiges Recycling oder sogar Upcycling Produkt) gemacht.

Diese kleinen Drahtbilder wirkten wie Fenster mit Blick nach draußen auf die Träume, die es für uns damals wie auch in der Gegenwart zu verwirklichen galt.

Kuba Flair (am Besten mit Inländer Rum) kommt mit der Strandbar Drahtfigur mit bernsteinfarbenen Schwenkern auf.

Künstlerisch, wie auch handwerklich wertvoll sind diese dreidimensionalen Szenerien – auch von der Wertigkeit liegen wir beispielsweise bei der Strandbar bei um die Euro 500-600, damals noch günstig, heute Sammlerobjekt. Früher im Schrebergarten aufgehängt – als Kunstwerk/Sehnsuchtsobjekt für “den kleinen Mann”, wie man damals sagte. Für jene die es sich nicht leisten konnten auf Urlaub zu fahren, war es quasi der Vorläufer der Fototapete, wie Martin so schön anmerkte.

Ein österreichisches Spezifikum ist es tatsächlich die Sehnsucht in Drahtfigurenform darzustellen – eine davon (siehe Fotos) zeigt, wie man sich damals vorstellte, wie es in der Wüste mit den Beduinen und Kamelen aussieht. Erinnert ein wenig an Karl May und seine Vorstellung vom Wilden Westen.

Etwas ganz besonderes also, die Sammlung des Hausherren Purzl Klingohr, der gerade auf Urlaub weilt und mit dem Herzeigen seiner kuriosen Sammlung die ersten Urlaubsgrüße sendet. 

Die junge Generation, die so etwas von der Großelterngeneration geerbt hat, findet wieder Gefallen an diesen Kunstwerken, die von der Elterngeneration noch verschmäht wurden und heute als Vintageobjekte gelten. 

Wenn man viel Glück hat, kann man so ein Drahtfigurenkunstwerk günstig am Flohmarkt ergattern, wenn man weiß wonach man sucht. Fazit: Mit den Sehnsüchten kann man einfach gut handeln….also, ….auf in den Urlaub!