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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Küchenschätze mit Geschichte

Montag, 28.07.2025, ab 17:30 Uhr, Studio2 // ORF
Thema diesmal: Sommerfrische, Landhausküche & nostalgisches Küchendesign

Sommerfrische liegt im Trend – und zwar nicht nur im Urlaub. Wer sich den Traum vom Häuschen am Land erfüllt, will auch bei der Einrichtung stilvoll zurück in die Vergangenheit. Im Studio2 drehte sich diesmal alles um Küchenobjekte, die das Herz von Vintage-Liebhaber:innen höherschlagen lassen.

„Ich habe euch heute ein bisschen Oma-Feeling mitgebracht“, so begann ich meinen Beitrag, stilecht gekleidet in meiner Vintage Schürze. Denn wenn man an die Küche früherer Zeiten denkt, denkt man an den Duft von frischem Brot, den Klang von Emaille-Deckeln – und natürlich an charmante Gebrauchsgegenstände, die heute Designgeschichte schreiben.

Mein ältestes mitgebrachtes Stück: Eine geschnitzte Salatschüssel aus Nussholz, aus einem Stück geschnitzt, circa 1850. Wer hier ans Einheizen denkt, verkennt den Wert – Sammler.innen zahlen dafür heute 200 bis 400 Euro, in Südfrankreich sogar eines der ganz gesuchten Stücke. Und mit etwas Olivenöl wird das Holz richtig lebendig.

Grafik trifft Keramik: Gewürzbehälter im Bauhaus-Stil
Weiter ging es mit einem kompletten Set an Gewürzdosen aus den 1920er Jahren – Keramik mit Metalldeckel, beschriftet in originaler Bauhaus-Typografie. Besonders nett: „Zimmt“ mit Doppel-N, wie es früher geschrieben wurde. Wer das Set vollständig hat, kann sich über 600 bis 800 Euro freuen – bei entsprechendem Zustand auch mehr. Das ist übrigens das letzte Stück und ich musste meiner Frau versprechen, es wieder mit nachhause zu bringen. 

Was für eine Inspiration fürs Kochen, diese Objekte mit Geschichte in der Küche stehen zu haben, perfekt dafür die Gäste mit dem Einsatz der Gewürze zu verzaubern.

Die Brotbehälter aus den 1920er bis 40er Jahren sind wahre Eyecatcher – mit typischem Spritzdekor, das besonders in der damaligen Tschechoslowakei gefertigt wurde. Lüftungslöcher inklusive. Auch hier sind 600 bis sogar 1000 Euro realistisch – und stilvoll aufbewahrte Semmeln oder Kornspitz schmecken gleich doppelt so gut. Mein Ältester wollte auch so eine Spritzdekor Brotdose beim Ausziehen für seine neue Wohnung haben. Die Generation der heute 20jährigen liebt Möbel und Objekte mit Geschichte.Zuckerlgeschäfte von früher hatten sie dutzendweise: stapelbare Gläser mit Deckel – gefüllt mit Stollwerk oder Gummibärchen, verkauft grammweise. Heute echte Deko-Highlights – und in Holland heiß begehrt. Ein ganzer Ständer? Für mich ein Schatz. Selber würde ich sogar 500 bis 600 Euro dafür bezahlen. 

Zum Schluss durfte ein echter Ferrari nicht fehlen – eine leuchtend rote Küchenwaage, schon über 100 Jahre alt, leicht ausgeblichen, leicht das Emaille abgesprungen, aber voll funktionstüchtig. Dazu eine Kupfer-Gugelhupfform – nicht nur dekorativ, sondern tatsächlich noch nutzbar. Das absolut nostalgische Backvergnügen, beispielsweise ein stilechter Gugelhupf,außen knusprig, ist garantiert.

Alla fine….Wer seine Küche mit diesen Objekten füllt, kocht nicht nur mit mehr Flair, sondern auch mit Geschichte. Es muss nicht immer Hightech sein – manchmal reicht eine Prise Nostalgie und eine ordentliche Portion Stil.

Norbert hat mich augenzwinkernd mit den Worten: “Danke dir sehr und freue mich schon auf den nächsten Besuch, Du kleiner Schürzenjäger!” verabschiedet. Ob ich den Ruf als Schürzenjäger verdiene?Nun ja – wenn es um handbestickte Küchenschürzen mit Monogramm aus den 30er Jahren geht, werde ich schon ein bisschen schwach. 

Das war’s für heute aus Studio2 – aber wie sagte schon Paulchen Panther?

„Heute ist nicht alle Tage, ich komm’ wieder, keine Frage!“

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Handarbeit im Lockdown

Montag, 26.04.2021, ab 17:30, 

Studio2//ORF

Thema diesmal: Die Hobbies, die im Lockdown wieder en vogue geworden sind …Stricken, Häkeln, Nähen – gute alte Handarbeit.

Diesmal habe ich mich der zweitbeliebtesten Beschäftigung der Österreicher:innen im Lockdown, nach dem Kochen gewidmet – dem Handarbeiten.

Vor 4000 Jahren hat man in Asien schon Socken gestrickt und Ötzi, der Mann aus dem Eis hatte beim Überqueren der Alpen auch Nähzeug dabei, gerettet hat es ihn leider nicht.

Wer also denkt Handarbeiten wäre reine Frauensache, der irrt gewaltig.

Herkules, der Held war ein begeisterter Wollespinner und wollte es seiner Geliebten auch handarbeitstechnisch überall recht machen.

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es Überlieferungen bei uns zur Handarbeit und richtig Fahrt nahm diese dann im 16. Jahrhundert in Paris auf.

Damals eine reine Männerdomäne – Stricken, Weben, Nähen.

Ich selbst nähe meine Knöpfe auch selber an, auch immer charmant das der Dame des Herzens anbieten zu können.

Was hatte ich mit: Nähtischchen, fixer Bestandteil eines jeden Biedermeier Haushalts, Nähkistchen, Fingerhüte, Zollstock und Reisenähzeug, Stopfholz, Körbe und edle Wolle – Sammler:innen wird keine Grenze gesetzt und die Vielzahl an Themen füllt ganze Museen.

Aber zuerst zu den Fingerhüten: Fingerhut Sammeln – ein Hotspot dafür: Holland.

Ich habe 200 Jahre Fingerhutgeschichte zeigen können. Einen wunderbar vergoldeten Fingerhut mit Stickereien an der Seite aus circa 1820 hatte ich mit – fanatische Sammler:innen in USA machen den Markt zu einem Kuriosum. 

Danach kam ich zu einem Nähkistchen mit Spiegel – aus der Historismuszeit um 1880 mit netter Stuckatur. Seltenheit, Erhaltungszustand und natürlich die Leidenschaft des Sammlers, der Sammlerin machen es zu einem Objekt der Begierde, das von Wert ist. Wenn die Provenienz feststeht, dass es zB. Kaiserin Sissi gehörte (oder ihrer Hofschar), dann bewegen wir uns bei der Wertigkeit im fünfstelligen Bereich. 

Ein kleines Reiseset, um 1920, fast wie eine Ballspende (durch diese kleine Kordel) anmutend, mit dem kleinen Zwirn und Nadel, kam gelegen wenn auf der Zugfahrt ein Knopf abging.

Aber was hat es mit dem Pilz nun auf sich? Das ist natürlich kein “ordinärer” Pilz, sondern ein Stopfpilz, oder auf gut Wienerisch: ein Stopfschwammerl. Auszug aus Wikipedia: “Ein Stopfpilz ist ein Gegenstand, der beim Stopfen eines Lochs in Strümpfen oder Socken benutzt wird. Der Stopfpilz oder das in der Form zwar unterschiedliche, in der Funktion aber gleiche Stopfei ist in fast jedem Nähkörbchen zu finden. Er wird in den schadhaften Strumpf oder die Socke unter das zu stopfende Loch geschoben und erleichtert durch das Aufspannen des Gewebes die Stopfarbeiten. Stopfpilze werden in der Regel aus Holz gedrechselt und besitzen eine ebene Unterseite und eine nach oben hin gewölbte Oberfläche.”

Eine selbst gemachte Nähkiste aus 1940/50, das immer mit den neuesten Dekorationen upgedatet wurde, mit Geheimfach – vermutlich für Liebesbriefe, war auch dabei. Schaut euch die nachstehenden Screenshots an, ein wahres Meisterwerk diese Handarbeit!

Alles in allem und auf den Punkt gekommen: Handarbeiten ist so in, dass sich auch wieder das männliche Geschlecht drüber traut!

Und noch zum Abschluss ein kleiner Tipp: Im neuen alten Ramsch&Rosen in der Neubaugasse 59 war ja vorher, wie einige von euch wissen, eine alteingesessenes Wollgeschäft. Für alle Woll-Aficionados gut zu wissen, dass es noch einiges auf Lager gibt! Das eine oder andere brauchbare und sogar entzückende Handarbeitsutensil findet sich auch im Geschäft.