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Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Silber einschmelzen?

Freitag, 17.10.2025, ab 17:30 Uhr, Studio2 // ORF
Thema diesmal: Silber und sein Wert

Schnelle Wirkung, großer Schaden – wenn Silber und somit Geschichte im Schmelzofen verschwindet

„Geht’s noch?“ – so heißt das Buch von Simon Schwarz . „Ein Titel, der Christof Stein, unserem Experten für Alters- und Gebrauchswert, wohl täglich durch den Kopf geht, wenn er hört, dass Menschen historische Silberstücke einfach einschmelzen lassen, um den reinen Materialwert zu kassieren.“ Mit diesen Worten leitete Norbert meinen Sendungsbeitrag ein. Denn was für manche nur „Altmetall“ ist, ist in Wahrheit Kulturgut – mit Geschichte, Handwerk und Seele. Das tut mir in der Seele weh, wenn Kultur so kaputt geht.

Aktuell passiert es wieder. Der Silberpreis rauscht nach oben, die Nachrichten melden Höchststände – und plötzlich wird in Kellern gekramt, gesucht, gefunden. Was tun viele? Ab zum Schmelzer. Kilo-Preis kassieren. Fertig. Aber: Was da zerstört wird, ist oft mehr als Material. Es sind Objekte, die man heute nicht einmal mehr herstellen kann – und wenn doch, dann zu einem Vielfachen des Preises. Ich möchte da eine Lanze brechen – Dinge, die formal etwas können  – eine Experte im Auktionshaus beispielsweise kann Einblick verschaffen.

Ich zeigte zwei schlichte Kerzenleuchter aus der Zeit Josef II., um 1813. 643 Gramm Silber. Materialwert: rund 750 Euro. Marktwert im Fachhandel: 3.000 Euro. Warum? Weil sie Geschichte tragen, weil die Punzierung verrät: gefertigt von einem Brünner Juwelier oder Silberschmied. Wahnsinnig toll! Handwerk, das man bis heute genießen kann – wenn man weiß, worauf man schauen muss. Wie schon gesagt, lieber einen Experten fragen, bevor man Kultur vernichtet!

Nächstes Stück war ein monumentaler Kerzenständer, ein Pärchen gibt es davon, Hohlsilber, um 1880. 900 Gramm. Absolut fantastische Arbeit. Einschmelzwert: knapp 1.000 Euro. Tatsächlicher Wert: 8.000 Euro. Eine Arbeit, die Wochen dauerte – von Hand gemacht, gehämmert, verputzt. Nicht eine Maschine, nicht Massenware. Ein Vermächtnis. Und doch landen solche Stücke – unwissend, gedankenlos – im Ofen. Geschichte, die niemand zurückholen kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass Silber in Krisenzeiten verschwindet. Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg – ganze Judaica-Bestände wurden vernichtet. In den 1980ern wieder: Silberpreis explodiert, tausende Familien geben ohne nachzudenken ab. Heute wiederholt sich das Spiel.

Ein Funkeln, das bleibt, war ein Fisch aus den 1960ern, italienischer Designer. 800 Gramm, kunstvoll gehämmert. Materialwert: 1.000 Euro. Marktwert: 3.000 Euro. Wunderschön dekorative gehämmerte Arbeit. Und doch – auch solche Stücke wanken am Rand des Schmelztiegels.

Aber –  dann legte ich ein Stück auf den Tisch, das bleibt: eine Alt-Wien-Schale aus der Sammlung meiner Großmutter väterlicherseits. 1781 bis 1866 punziert. Dort lagen einst Visitenkarten – Name, sonst nichts. Kein Telefon, kein Mail. Wer zu Besuch war, hinterließ eine Spur auf einer Silberschale.

Fazit?
Wer Silber besitzt, besitzt Verantwortung.
Nicht alles ist Schatz – aber manches ist Erbe.
Fragen kostet nichts. Einschmelzen kostet für immer.

Denn manchmal ist es nur ein schlichter Kerzenständer – und doch blickt er auf 200 Jahre zurück. Er hat Wohnungen gesehen, Generationen überdauert, vielleicht Hochzeiten, Trauerfeiern, Feste begleitet. Solche Dinge erzählen Geschichten, wenn man sie lässt. Und genau diese Geschichten kann kein Schmelzofen bewahren.

 

 

Studio 2 – Experte Christof Stein spricht über: Historische Werkzeuge

 

Montag, 18.07.2022, ab 17:30 Uhr, Studio2//ORF

Thema diesmal: Werkzeuge mit Geschichte

 

Ganz á la Method Acting bin ich in der heutigen Sendung in meiner Rolle als Handwerker ganz aufgegangen. Mit Birgit Fenderl habe ich mich diesmal über historisches Werkzeug unterhalten, weniger mit Fokus auf die Wertigkeiten, sondern mehr auf der formschönen Ästhetik dieser kleinen Wunderwerkzeuge mit Geschichte(n). 

Das erste großartige Stück war für einen Sattler, das man sich auf die Schulter anlegt, um das Leder zu bearbeiten, um es an den Kanten scharf zu machen, das nennt man das “Endeln”. Hier gehen wir vom Tapezieren eines Möbels aus, aber auch vom Sattel eines Pferdes. Dieses Objekt war aus der Zeit um 1880. Ein wunderbares Dekorationsstück mit voll gegebener Funktion, das man wie das moderne und unschöne Werkzeug nicht wegräumen muss. 

Man hat früher nicht so viele Werkzeuge gehabt, sondern wenige, die aber mehrfache Funktionen hatten. Schon alleine die Ausführung dieser Stücke, wie eines simplen Schraubenziehers, mit einem durchgehenden Stagl, wo man am hinteren Ende mit dem Hammer (eingefasst in Leder) ohne weiteres fest draufschlagen kann ohne das Werkzeug an sich kaputt zu machen. Heutzutage mit den Kunststoffgriffen ist dies jedoch nicht zu gewährleisten. 

Viele denken, dass das Handwerk nur rein den Männern vorbehalten ist. Meine Partnerin würde dem nun vehement widersprechen. Sie geht lieber in den Baumarkt als auf den Kohlmarkt. Sie bevorzugt es selbst Hand anzulegen, als an einen Mann weiterzugeben.  Aber wie war das nun mit dem Frauenanteil im Handwerk?

Nachgewiesenermaßen gab es im Spätmittelalter Frauenzünfte beziehungsweise auch gemischte Zünfte. Leider hat man heute noch oft die Assoziation, dass das Handwerk eine reine Männerdomäne sei, dies ist jedoch nicht einmal annähernd ein Abbild der Wirklichkeit. Zwar gab es leider über Jahrhunderte hinweg eine gewisse Stagnation in den Gleichberechtigungsbestrebungen aber durch verschiedene Faktoren, wie beispielsweise Fachkräftemangel, wird der weibliche Anteil im Bereich Handwerk immer mehr steigen. 

Eine Quetschmaschine hatte ich auch mitgebracht, die wie eine Art Hefter funktioniert. Zum Beispiel kann man damit zwei organische Stoffe, die getrennt sind, “zusammenquetschen”, ohne kleben zu müssen. 

Die Schere war handgeschmiedet, kann immer wieder auseinander genommen und geschärft werden,  ein absoluter Garant für Nachhaltigkeit, oder auch “modernes Recycling” wie mein Vater gesagt hätte.

Nichts ist eleganter als dieses Objekt, das englische Maßband aus dem 19. Jahrhundert von einer Wiener Firma (auf einer Seite das englische Maß auf der anderen Seite das europäische Maß) auf einem schönen alten Schreibtisch als Briefbeschwerer liegen zu haben. In einem guten Zustand,140 Jahre alt, geendelt, bringt das sicher auf einem Flohmarkt in Brighton über 100 Pfund ein. 

Wer wird schwach, wenn ich “Metabo” erwähne – ich hatte diese großartige Messerschleifmaschine dieser begehrten Marke auch in der Sendung mit, ein wahres Sammlerobjekt. Der “Heimschleifer” in dieser Variante, früher gab es ja auch den Messerschleifer, der zu einem Nachhause kam. 

Mit war auch das Zunftzeichen für die Tischler:innen, eine Hobel, in dem Fall zum Kantenhobeln, nicht nur Flächen, speziell um Sesselleisten zu machen. 

Dazu passend zum Anhören:

Paul Hörbiger – Das Hobellied – 1936

“Also, da legen wir den Hobel an und sagen – aber nur für heute – Adieu!” so beendete Birgit meinen Sendungsbeitrag. Auf bald!